Termine an 4 Donnerstagen:
→ 15.10. und 22.10.26, je 14.30 Uhr - 17 Uhr, Verein für Fraueninteressen e.V., Altheimer Eck 13 in München, Veranstaltungsraum
→ 5.11. und 12.11.26, je 14.30 Uhr - 17 Uhr, Monacensia im Hildebrandhaus, Maria-Theresia-Str. 23 in München, Salon Hildebrand
Teilnahme kostenfrei. Anmeldung: buero@kultur-alter.de
Die Workshop-Reihe feiert die Kreativität von Frauen im Alter! Das Büro Kultur und Alter lädt Münchnerinnen ab 70 Jahren herzlich dazu ein. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, nur die Freude, sich kreativ auszuprobieren.
Ausgangspunkt für unser eigenes kreatives Tun bilden die Spätwerke der Künstlerinnen Maria Lassnig (1919-2014), Lotte Laserstein (1898-1993) und Emma Andijewska (geb. 1931): So verschieden ihre Biografien und ihr Werk auch sind – eines eint die drei Künstlerinnen: Es ist die große Bedeutung der Kunst für ihr Leben. Bis ins hohe Alter von über 90 halten sie unbeirrbar an ihr fest. Schonungslos, humorvoll und fantastisch erschaffen sie ihre Wirklichkeit mit Zeichnung, Malerei, Film und Poesie.
Zur 1. Veranstaltung: „Selbst mit Ding“ - Zeichnen mit Maria Lassnig, 15.10.2026, 14.30 - 17 Uhr, Verein für Fraueninteressen
Bekannt ist die österreichische Künstlerin Maria Lassnig für ihre Selbstporträts, die sie als Körper-bewusstseinsbilder bezeichnet. Oft stellt sie sich mit Dingen dar – wie einer Küchenschürze, die sich bedrohlich aufbäumt, einem Moped-Lenker auf dem Kopf oder einer Kamera vor dem Gesicht. Ganz nach Lassnigs Motto „Ich zeichne am liebsten herum" werden wir – nach der gemeinsamen Betrachtung ihrer Selbstbildnisse – uns selbst zeichnen: Unser „Selbst mit Ding“. Bitte bringen Sie zur Veranstaltung ein für sie bedeutsames Ding oder ein Foto von dem Ding mit. Mit Stift und geschlossenen Augen werden Sie ihre Beziehung und ihre Gefühle zu dem Ding spontan ausdrücken.
Zur 2. Veranstaltung: „Ich bin die Frau Picasso“ - Malen mit Maria Lassnig, 22.10.2026, 14.30 - 17 Uhr, Verein für Fraueninteressen
In ihrem 8-minütigen Zeichentrick-Film „Kantate“ singt Maria Lassnig als 73-Jährige ihre Lebens-geschichte in 14 Strophen. Witzig und kritisch erzählt sie von ihrem Leben, von vorherrschenden Rollenbildern und künstlerischen Kämpfen in der patriachal geprägten Kunstwelt. Maria Lassnig zeigt sich gezeichnet und kostümiert – als braves Schulmädchen in Kärnten, als Malerfürst in Wien oder als Freiheitsstatue in New York. Diesen filmischen Lebensrückblick schauen wir uns gemeinsam an. Dann werden wir selbst kreativ: Wir malen und gestalten uns in verschiedenen Lebensphasen – in erinnerten oder auch gewünschten Kostümen. Dafür stehen breite Pinsel, Farben und vielfältige Stoffe zur Verfügung.
Zur 3. Veranstaltung: „Ich sei dir du“ - Malen zu Lotte Lasersteins Doppelporträts, 5.11.2026, 14.30 Uhr - 17 Uhr, Monacensia im Hildebrandhaus
Die deutsch-schwedische Malerin Lotte Laserstein verkörpert Mitte der 1920er-Jahre in Berlin das neue emanzipierte Frauenbild. Selbstbewusst porträtiert sie sich und ihre Lebensgefährtin. Als jüdische Künstlerin zur Emigration gezwungen, beginnt sie ein „zweites Leben“ in Schweden. „Hätte ich nicht meine eigene Wirklichkeit im Malkasten gehabt“ so sagt sie „so hätte ich die Jahre nicht durchstehen können, in denen mir alles genommen wurde: Familie, Freunde und Heimat.“
Im Mittelpunkt des Workshops stehen die Doppelbildnisse, die die Künstlerin mit ihrer Lebens-gefährtin zeigen. Ausgehend von dem frühen in Berlin entstandenen Bild „Ich und mein Modell“ betrachten und befragen wir vor allem die späten im Exil entstandenen Doppelporträts: Wie malt die Künstlerin sich selbst und die Lebensgefährtin? Spüren wir die Nähe zwischen den beiden? Und ist neben der seelischen Verbindung auch die Anerkennung des Du als eigene Person zu erfassen?
Unter dem Motto „Ich sei dir du – sei du mir ich“ malen wir anschließend – mit breitem Pinsel und reduzierten Farben – unser eigenes Selbstporträt, das wir um ein weibliches Du erweitern. Das Du, mit dem wir in Dialog treten, kann eine Teilnehmerin der Gruppe sein oder auch Lotte Laserstein: Fotos und Bilder von ihr liegen in Kopien für Collagen und zur weiteren farbigen Gestaltung bereit.
Zur 4. Veranstaltung: „Farbe sprießt“ - Malen und Dichten mit Emma Andijewska, 12.11.2026, 14.30 Uhr - 17 Uhr, Monacensia im Hildebrandhaus
Die ukrainische Künstlerin Emma Andijewska verbindet Literatur mit Malerei. Ihre Werke spielen surreal und farbenreich mit Metaphern und kulturhistorischen Bezügen. In ihrer Kunst verarbeitet sie Erfahrungen von Verlust, Flucht und Migration nach Deutschland und die Liebe zu ihrem Heimatland der Ukraine. Emma Andijewska lebt und arbeitet seit 1950 in München.
Ihren literarischen und künstlerischen Vorlass hat die Monacensia vor kurzem erworben. Im Workshop haben Sie Gelegenheit, Original-Werke zu sehen. Wir beschäftigen uns vor allem mit Gedichten des Spätwerks. Von den ausliegenden Gedichten wählen Sie eines aus, das Sie intuitiv anspricht und mit dem Sie malerisch-dichtend in Resonanz treten. So entstehen farbig-fantasie-reiche Text-Bild-Collagen.
Das Gedicht „Farbe sprießt“ zeigt die reiche Fülle von Assoziationen und sinnlichen Erfahrungen der Poesie von Emma Andijewska: „Farbe sprießt / Teelöffelweise / Da wo der Regen vorbeikam / Und Hüte, Kappen und Hauben Fortwehte. / Aber der Mensch nur in Gedanken / Über die Erfindung des Elixiers / Für ewiges Leben.“
Die Workshop-Reihe wird geleitet von Petra Kellermann, Kunsthistorikerin und Gründerin des Büro Kultur und Alter (www.kultur-alter.de), zusammen mit Ilona Krüger, Künstlerin und Kunsttherapeutin.
Das Projekt wird gefördert vom Kulturreferat der Stadt München.
Kooperationspartner: Monacensia im Hildebrandhaus und Verein für Fraueninteressen e.V.
Bilder unten: Foto von Maria Lassnig um 2002
Gemälde Maria Lassnig: Eilige Oberwassermalerei / Simultanmalerei / Malen mit 2 Händen, 1991 © Maria Lassnig Stiftung

